SMiLE - die Leipziger BDSM-Gruppe
SMiLE - die Leipziger BDSM-Gruppe mit Tradition


Vingt ans après – Zwanzig Jahre danach

Aus den Musketieren sind gesetzte Männer geworden, die sich – obwohl aus den Augen verloren – einen Teil ihrer Freundschaft bewahrt haben und noch einmal gemeinsame Abenteuer bestehen. So bei Dumas. Und bei uns?

Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit, es hat sich viel geändert. Im Stammtisch, in der Szene und privat sowieso. Eine Zeit, in der es nicht nur eben mal einen neuen König…äh…Bundeskanzler gab, sondern eine Zeit voller Wandel. Und, auch wenn ich bei solchen Schlagworten zögere, vor allem eines Wandels: das Internet hat so viel verändert, daß man manchmal fast überrascht ist, wie es vor nur ein paar Jahren auch ohne es ging.
Als wir uns damals im August 1996 zusammensetzten, waren wir nicht die ersten mit einem Stammtisch. Es hatte vor uns schon irgendwann eine kleine gesamtsächsische Gruppe gegeben, die dann wieder zerfallen war. Wir hatten den Vorteil, daß die Zeiten etwas lockerer geworden waren, und als Studenten den Bonus unserer naiven Zuversicht, die uns diese Offenheit auch nutzen ließ. Ein paar Monate haben wir noch unter dem Dach der AIDS-Hilfe verbracht (inklusive einer allerersten Party, der später immer wieder andere folgten), und auch wenn wir damals schnell geflüchtet sind, ist doch im Rückblick die Arbeit dieser Organisation nicht hoch genug einzuschätzen.
Ab etwa 1998 waren wir dann in "normalen" öffentlichen Gaststätten zu finden. An die Bedeutung von Chroniken dachte noch niemand, so daß Einzelheiten oft nur anekdotisch im Gedächtnis geblieben sind. Die Verlegung des Treffen auf einen anderen Wochentag wegen "Akte X" beispielsweise, oder Überlegungen einer Vereinsgründung als Träger eines kurzlebigen SM-Clubs um die Jahrtausendwende in Großzschocher. Kurz danach sind wieder dann in unser Dauerprovisorium im "Prellbock" gezogen, dem wir bis heute treu geblieben sind, in jüngerer Zeit abwechselnd mit dem "Wasserfall", der uns ebenfalls herzlich aufgenommen hat.
Viele Weggefährten aus den ersten und aus späteren Tagen haben sich anders orientiert (gerade bei Studenten nicht unüblich), einige wenige sind leider weit zu früh für immer gegangen. Viele andere sind dazugekommen, haben uns eine Zeitlang oder bis heute begleitet und sich eingebracht. Irgendwann waren wir nicht mehr jung, aber wir haben uns um ein gutes Miteinander mit der lokalen SMJG bemüht und ein paar gemeinsame Veranstaltungen auf die Beine gestellt.
Höhen und Tiefen gab es selbstverständlich, aber es gibt uns immer noch (und das auch nicht schlecht), und zwanzig Jahre sind eine Menge Zeit für einen Stammtisch dieser Art.

Also alles prima?
Vielleicht. Manches hat sich geändert in diesen zwei Jahrzehnten. Das Internet als Katalysator wurde schon genannt. Fast niemand kommt mehr, weil er endlich mal sehen will, daß es überhaupt andere Personen mit ähnlich eigenartigen Vorlieben gibt. Viele grundlegende Informationen sind auch vorher erhältlich, sei es im Netz oder in der auch auf diesem Gebiet wachsenden Menge der Ratgeberliteratur. Der Anspruch der Öffentlichkeitsarbeit der 90er ist einer gewissen Normalität gewichen. Es gibt eine große Anzahl von verschiedensten Veranstaltungen mit diesem Thema.
Manchmal könnte man denken, das Konzept solch eines "Stammtisches" hätte sich damit selbst überlebt.
Aber wie oben schon geschrieben, gibt es uns immer noch, und es kommen immer wieder noch Menschen zu uns, die sich dann bei uns "zu Hause" fühlen. Und wir sind nicht allein damit, auch in anderen Städten ist es ähnlich. Manchmal mehrfach parallel, aber solange es ein Miteinander ist, belebt es nur das Angebot.

Ich weiß nicht, was man einem Stammtisch wünschen kann in einer so schnellebigen Zeit. Weitere zwanzig Jahre? Dumas hat noch einen dritten Roman um die Musketiere geschrieben, der zusätzliche zehn Jahre später spielt. Vielleicht ist das ein überschaubarer Zeitraum: weitere schöne und erfolgreiche zehn Jahre, mit Verlängerungsoption …

Nirgal im August 2016