SMiLE - die Leipziger BDSM-Gruppe
SMiLE - die Leipziger BDSM-Gruppe mit Tradition


Mein erstes Mal ...

... beim Stammtisch SMiLE war gar nicht so schlimm wie gedacht.

An einem Sonntag im letzten Sommer war ich durch viele, zufällige Klicks auf die Seite www.smile-leipzig.de gestoßen und las dort Zeilen, die mir endlich Informationen verrieten, die ich viele, viele Wochen lang schon gesucht hatte. Ich las von "Bondage" und "Fetisch", "Parties" und "BDSM", klickte hier, klickte da und beschloss mal ganz mutig eine Mail an die angegebene Kontaktadresse zu schicken, um zu fragen, was man so beachten müsse und wie so ein Stammtisch denn so ablaufe.

In den nächsten Tagen bekam ich eine Rückantwort; ganz normale Zeilen von einem offensichtlich netten Menschen, der mir schrieb, dass es keinen Dresscode gäbe, kein Programm während des Stammtisches stattfände und ich deshalb nicht später zu erscheinen bräuchte und dass sich lediglich viele, sympathisch Menschen auf einen Wein oder ein Bier zum Reden über alles mögliche treffen würden und, wenn ich Lust hätte, ich auch gleich am nächsten Mittwoch vorbei schauen könne: 20Uhr in der Nonnenstraße im "Prellbock", finden würde ich die Truppe dann schon!

Bisher hatte ich mir keine direkten Gedanken darüber gemacht, was genau ich eigentlich suchte, ich kannte nur mein inneres Gefühl und suchte nach dessen Befriedigung, und jetzt, jetzt hatte ich meinen ersten Schritt in eine Welt gewagt, die verschlossen vor mir lag und durch deren Türspalt ich gelegentlich geguckt hatte, um mich neugierig zu machen ...

Die folgenden Tage konnte ich mich gar nicht recht konzentrieren, überlegte hin und her, was ich denn nun tun sollte, ob ich tatsächlich dorthin gehen sollte, ob ich das überhaupt suchte - und natürlich die Frage: Was ziehe ich an??

Es wurde Mittwoch und der Dozent überzog mal wieder gnadenlos die Vorlesung, es war bereits 19 Uhr, als ich mich vor der Uni aufs Fahrrad schwang und schnell nach Hause radelte, dort unter die Dusche hüpfte und mich umzog (nett, aber nicht aufreizend oder prüde, sondern so, dass ich mich wohl fühlte und ich "ich selbst" sein konnte). Dann lief ich los mit lautem Herzschlag Richtung Nonnenstraße und überlegte mir die ganze Zeit, ob ich jetzt auffalle, so wie ich aussehe, was wohl alle denken, wenn ich erscheine, was ich eigentlich sagen soll und ob ich die Gruppe überhaupt finden würde?

Vor der Tür gestand ich mir ein lautes "Tschaka" zu und betrat den Raum ...

Der Kellner rief mir ein nettes "Hallo" entgegen und nach der Beschreibung in der Mail fand ich auch recht schnell eine überschaubare Ansammlung von Menschen, die ich mit der Frage ansprach, ob sie SMiLE seien und dass ich ja eine Mail geschickt hätte ... Alle grüßten sehr nett, bejahten meine Frage und gaben mir sogar die Hand, ich stellte mich mit Anna vor und nahm am Tisch Platz. Dort saß ich nun, mit klopfendem Herzen, kalt-nassen Händen und wirren Gedanken ...

Entgegen meiner Erwartung beruhigte ich mich aber recht schnell und beobachtete alle Anwesenden und auch die Leute, die sich außerdem noch an diesen Stammtisch "verirrten". Ich sah ganz normale Menschen jeden Alters, Frauen und Männer, die sich nett unterhielten und so gar nicht dem entsprachen, was mir meine schlimmsten Phantasien vorgegaukelt hatten. Ich stieg, nachdem ich mich gefangen hatte, in ein Gespräch über Reisen und Urlaub ein, erzählte ein wenig von mir, scherzte, lachte und fühlte mich innerhalb kürzester Zeit sehr, sehr wohl. Diese Menschen waren aufgeschlossen, interessant, sympathisch und sprachen über Gott und die Welt, natürlich auch über SM, und ein Teilnehmer hatte sogar ein selbst gebautes Spielzeug mitgebracht, das ich bewundernd betrachtete. Ich habe mich zu keiner Zeit unwohl gefühlt und ich verbrachte einen wunderbaren Abend mit neuen Bekannten, die mir bis heute alle ans Herz gewachsen sind, zu denen ich innige Freundschaften pflege, die mir Stütze im Leben geworden sind und die ich zu keiner Zeit mehr missen möchte ...

Heute, mit etwas Abstand, bin ich stolz auf mich, dass ich alleine und "mutig" zum Stammtisch gegangen bin, denn ich habe dort Menschen kennengelernt, die eine Leidenschaft mir teilen, die ich fragen kann bei Problemen, die mich an ihren Erfahrungen teilhaben lassen, bei denen ich mir Rat holen kann und die mich in mancherlei Hinsicht mehr verstehen, als es jede gute Freundin könnte, die diesem Thema mit Vorurteilen begegnet, oder als es meine Familie könnte, die mich in dieser Hinsicht nicht verstehen kann. Mir wären ohne diese Möglichkeit des Stammtisches viele Informationen nicht so leicht zugetragen worden und ich freue mich heute auf jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat, weil ich weiß, dass sich wieder diese lieben Menschen treffen werden auf einen Wein oder ein Bier und sie gespannt sind, wen sie neues kennen lernen können, die sich freuen einander zu sehen und die einfach einen gemütlichen Abend miteinander verbringen wollen.

Heute bin ich ein Teil von ihnen und neugierig auf Menschen wie Dich, die in der Situation sind wie ich damals, die sich viele Gedanken machen und vor ihrem ersten Stammtischbesuch ein lautes "Tschaka" rufen, aber dann auch den Schritt wagen und neugierig sind, uns zu treffen ...

Ich freue mich Dich kennenzulernen, und bis dahin alles Gute

Anna (Seelenkind).